Leynis Leseecke: Hohenhag
Jella schreibt:
Ich begrüße an dieser Stelle Leyni als weiteren Gastblogger. Leyni startet hiermit seine Leseecke und dem ersten Beitrag über den Roman Hohenhag von Dietmar Preuß. Danke für diesen Beitrag…
Leynis Leseecke – Bewertungssystem
Für jedes Wertungssystem, das über eine längere Zeit betrieben werden soll, ist eines wichtig: Spielregeln! Deswegen möchte ich als erstes kurz das Wertungssystem erklären. Jeder Roman wurde von mir mindestens 2 Mal gelesen und danach nach folgenden Gesichtspunkten bewertet:
- Inhalt
- Charakterdarstellung
- Aventurische Stimmigkeit
- Schreibstil
- Sonstiges
Die ersten vier Bereiche werden mit einem bis 5 Punkten bewertet, der Punkt Besonderheiten kann dann noch auf oder abwerten. Wollen wir also mit der ersten Rezension beginnen:
Hohenhag – Dietmar Preuß
Kurzzusammenfassung für den eiligen Leser (der das Buch erst noch lesen möchte)
„Beolf und Sidra sind Halbgeschwister aus einem kleinen Wehrdorf im Norden Andergasts, an der Grenze zum Orkland. Als ihr Dorf angegriffen wird, fallen sie in die Hände der Orks und wachsen als ihre Sklaven auf. Eine lange Reise führt sie an der Seite ihres neuen Herren, des Orkschamanen Yrchurack mehrere Jahre durchs Orkland. Für beide ist diese Zeit der Wanderschaft Prüfung und Schule zugleich, und es ist ungewiß, ob sie je wieder Menschen sehen werden, und dabei selbst ihre Menschlichkeit verlieren… schon fast zu spät, scheint sich eine Chance zu ergeben, nach Jahren der Sklaverei wieder Freiheit zu erlangen ….”
Bewertung:
I Inhalt
Der Roman ist in Sich in 2 große Teile gegliedert: Zum einen der erst und in der Kurzzusammenfassung beschriebene Teil. Beolf und Sidra müssen als Jungendliche mit ansehen, wie ihre gesamte bisherige Welt von den Orks ausgelöscht wird. Sie werden aus dem bekannten Umfeld gerissen und wie in einem Alptraum innerhalb weniger Stunden in die Welt der Schwarzpelze geführt, wo sie von Anfang an, niedere Arbeiten verrichten müssen, mit ständiger Angst leben, zugleich aber auch die Möglichkeit bekommen, Organisation und Kultur einer Orksippe kennen zu lernen. Das es von den ehemaligen Todfeinden auch etwas zu lernen gibt, konnten sie sich vorher nicht vorstellen, müssen aber erkennen, dass sowohl Medizin, Kampfeskunst, Schmiedekunst und Religion den Orks nicht nur zu eigen sind, sondern diese schon weit vor den Menschen dieses Wissen erlangt haben.
Der gesamte erste Teil des Romanes dient zum einen dazu, die vom Autor gut umgesetzte Rolle der „neuen” Orks in Aventurien abseits von Erfahrungspunkten für Spieler zu schildern. Kultur, Rituale, Glauben (und Aberglauben) werden konsequent und glaubhaft geschildert, ohne dabei die Handlung zu vernachlässigen – hierbei wird über die Jahre dauernde Reise eine beliebte Technik angewandt. Der Beginn er Reise wird ausführlich geschildert, danach werden die Einblendungen immer kürzer, bis kurz vor dem Begin, des zweiten Abschnitts des Buches, der mit der Flucht der beiden Jugendlichen beginnt. Ein im ersten Teil von Anfang bis Ende wiederkehrendes Segment ist die aufkeimende Liebe zwischen den beiden Jugendlichen, die aber nicht erfüllt werden darf, da Sidra und Beolf Halbgeschwister zu sein scheinen.
Fast pünktlich in der Mitte des Buches ändert sich das Lesegefühl deutlich: Nicht mehr orkische Traditionen, sondern der Charakterwandel steht nun im Vordergrund. Die beiden Helden erreichen wieder ihre gewohnte Heimat, werden aufgenommen und beginnen ein neues Leben.. Zusammen mit anderen Bekannten aus ihrem alten Dorf und frischem Blut beginnen Beolf und Sidra damit Hohenhag wieder aufzubauen und gleichzeitig ein Ziel zu verfolgen: Rache an den Orks! Hier wird das Buch teilweise etwas unglaubwürdig, auch wenn die Argumentation des Autors an sich stimmig ist: Beolf und Sidra haben viel von den Orks gelernt, dazu kommt noch das Wissen der Menschen – beides zusammen komplettieren sie, um so eine „Sondereinheit”, die unsichtbare Rotte aufzustellen und die Orks zu jagen… Zentrales Thema ist auch hier wieder die Beziehung zwischen Beolf und Sidra, aber auch zwischen den anderen jungen Erwachsenen des Hags.
Gerade das Ende des Romans bereitet leider einiges an Kopfzerbrechen: Kein wirklich großes Finale, keine spannende Endschlacht, sondern vielmehr Auflösung der gesponnenen Handlungsfäden hat der Autor sich zum Ziel gesetzt, und das auch erfüllt. Nach dem Zuklappen des Buches fühlt man eine seltsame Zufriedenheit, nach dem Motto: „Ende gut, alles gut:”
II Charakterdarstellung
Im Gegensatz zu vielen „klassischen DAS Romanen” legt der Autor Wert darauf, nicht nur die beiden Haupthelden mit Tiefgang zu versehen, sondern auch die Nebendarsteller, was vor allem bei den Orks auch gut gelingt. Jede Handlung ist nachvollziehbar, Orks wie Menschen haben klare Ziele, Charaktereigenschaften und der Verlauf der Handlung wirkt somit nicht gekünstelt. Vor allem im zweiten Teil wird darauf Wert gelegt, dass die Geschichte nicht streng auf den roten Faden limitiert wird, sonder dass durch Rahmenhandlungen und Beziehungen der Nebendarsteller das Leben im Hag glaubwürdig dargestellt wird. So macht es Spaß nicht nur das „Erwachsenwerden” der Handlungshelden mitzuverfolgen, sondern auch den Nebendarstellern dabei „zuzusehen” ihr Leben in den Griff zu bekommen. Abgerundet wird dies durch die gezielte Beschreibung von Handwerk und Kriegskunst, die darauf schließen lässt, das Dietmar Preuß durchaus einige Erfahrung im Rollenspiel hat, und auch Nachforschungen betrieben hat.
III Aventurische Stimmigkeit
Kurz und knapp ist zu sagen, dass die Handlung zwar manch einem Spieler nicht ganz schmecken wird, es ist aber durchaus vorstellbar (und vom Autor mit Argumenten belegt) wieso die Handlung auf diese bestimmte Art und Weise schlüssig ist und in Aventurien passieren könnte…
IV Schreibstil
Vom Stil her erinnert der Roman an Linda Budinger oder Daniela Knorr – detaillierte Schilderungen ohne zu sehr ins philosophieren zu geraten, klare Beschreibungen des Settings und der jeweiligen Situation, dafür aber schnelle und punktierte Sätze, wenn die Handlung (wie zum Beispiel in Kämpfen) Fahrt aufnimmt. Nur der Spannungseinbruch gegen Ende hin ist nicht ganz so positiv zu bewerten, allerdings dem Schluss des Romans zuträglich. Vielleicht wären hier ein paar Seiten weniger mehr gewesen…
Bewertung:
Inhalt: 4 von 5
Charaktere: 4 von 5
Stimmigkeit: 3 von 5
Stil: 3 von 5
Endwertung: 3,5 von 5 Punkten
Fazit: Hohenhag ist ein guter Erstlingsroman von Dietmar Preuß, der schon zuvor Kurzgeschichten und einen Kurzroman geschrieben hat. Vor allem wer an der Kultur der Orks interessiert ist, oder an einem „Jugendliche werden Erwachsen” Umfeld, ist gut aufgehoben. Nur Freunde von Hochmagischem oder Verschwörungen sollten den Kauf überdenken, da die klare Linie und die relativ eingleise Story nicht viel Platz für eigenständige Überlegungen lässt.
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