Praiostag, den 12. Boron 1031 Bosparans Fall

Leynis Leseecke: Todgeweiht

Auch heute möchte ich wieder einen Roman vorstellen, der zwar nicht brandaktuell ist, aber trotzdem einen Blick wert scheint – die Rede ist von Todgeweiht von Markus Tillmanns.

Für den eiligen Leser: Der Klappentext ist gut gelungen und ich muss ihn somit nicht mehr umschreiben, damit nicht zuviel verraten wird:

In einem abgelegenen Boronskloster im Finsterkamm hält der Tod blutige Ernte :Eine mysteriöse Mordserie hält die Bewohner in Atem und vor den Toren lauern die Orks, begierig, das Kloster beim geringsten Anzeichen von Schwäche zu erstürmen.

Welches Geheimnis umgibt Bewohner und Insassen des Noionitenklosters? Welche Schrecken der Vergangenheit bergen die alten Mauern? Können der junge Krieger Quin und seine Begleiter die Rätsel um die Anlage lösen, oder sind sie selbst schon … todgeweiht?“

Bewertung:

I Inhalt

Kriminalgeschichten an sich sind ja eigentlich immer Garant für ein kurzweiliges und spannendes Buch… so auch hier, aber fangen wir am Anfang an. Eine Gruppe von Abenteurern treffen sich auf der Reise im Finsterkamm und beschließen zusammen zu reisen: So weit, so gut, so ungewöhnlich. Dass sie in diesen finsteren Zeiten Probleme mit den Orks bekommen, mag auch nicht wundern. Eine rasante Flucht führt die 4 Weggefährten schließlich zum einzigen vermeintlich sicheren Ort: Einem Kloster der Noioniten… Kenner der DSA Geschichte werden jetzt vermutlich aufhorchen: Ein Kloster im Finsterkamm? Noioniten? Da war doch was… Und richtig: Es geht um das Kloster Arras de Mott, das nicht nur in der Orkensturm- Historie in die Ereignisse verwickelt war, sondern auch in der Nebenlinie der G7- Kampagne… aber keine Angst: Im Roman wird nichts darüber verraten, sondern er ist jedem Leser frei zugänglich.

Richtig los geht die Story allerdings erst im Kloster: Die Charaktere werden eingeführt, ausgemalt, die Lokalitäten vorgestellt – wichtig bei einem Roman, der von der Handlung lebt, und dabei auf gleich bleibende Schauplätze zurück greifen muss…

Was eine Umschreibung der Handlung und somit des Inhalts betrifft, möchte ich mich dieses Mal sehr zurückhalten – nur soviel: Ab Seite 120 beginnt eine ganze Serie von unerwarteten Handlungsumschwüngen und die eigentliche Kriminalstory beginnt erst richtig … und kommt auch erst kurz vor dem Ende zu einem relativ unerwarteten Abschluss.

II Charakterdarstellung

Die 4 „Startcharaktere“ sind von Tillmanns gut ausgearbeitet und differentiert worden: Der junge, ungeduldige Krieger Brin, der ältere und abgebrühte, bauernschlaue Angrond, Oscatatio, ein Stutzer aus dem Horasreich und die junge Tsageweihte Tsafilia. Der Roman ist im großen und ganzen aus der Sicht der 3 Männer geschrieben, deren Sichtweisen sich abwechseln, sodass man (wie im Genre üblich) rätseln darf, was den anderen inzwischen passiert ist.

Aber auch die Nebendarsteller, die Mönche aus dem Noionitenkloster sind – obwohl etwas überzeichnet – gut geschildert und unterscheidbar, was aufgrund der kurzen „Auftrittszeiten“ auch notwendig ist. Allerdings ist anzumerken, dass kein Charakter wirklich heraus sticht: Eine solide Arbeit, aber eben nicht allzu viel mehr.

III Aventurische Stimmigkeit

Wieder ein Roman, dem ich ausnahmslos attestieren kann, dass er genau so in Aventurien passiert sein könnte: Keine Fremdausdrücke, schöne Einbindung lokaler Redewendungen, keine Fremdkörper in der Geschichte und die ganze Handlung steht auf „offiziellen“ Grundfesten: Wer dieses Abenteuer also z.B. seine Gruppe erleben lassen will, der kann das ohne Probleme umsetzen.

IV Schreibstil

Markus Tillmanns ist kein unbekannter in der DSA Autoren Rige: Sowohl die Sieger Kurzgeschichte „Die Queste der Donna Consuela“ aus dem Sammelband „Aufruhr in Aventurien“ als auch der Roman „Das Daimonicon“ stammen aus seiner Feder. Somit möchte ich seinen Stil auch nicht unbedingt vergleichen.

Tillmanns schreibt meist kurze und prägnante Sätze, schildert mehr, als er ausschmückt. Keine unnötigen Worte stören den Handlungsverlauf und auch die Worte und Gedanken der Charaktere wirken nicht aufgesetzt, sondern eher maßgeschneidert. Sein Stil passt gut zu Geschichten, in denen stetige Handlungen gesetzt werden, sodass man ohnehin schnell weiter liest, um nichts zu verpassen.

Bewertung

Inhalt: 4 von 5
Charaktere: 3 von 5
Stimmigkeit: 5 von 5
Stil: 4 von 5

Endwertung: 4 von 5 Punkten

Fazit: Ein gutes und stimmiges Buch, dass vor allem durch die Handlung und die aventurische Stimmigkeit überzeugen kann, auch wenn die Charaktere nicht detailliert gezeichnet werden. Wer einfach gerne einen Kriminalroman im Aventuriensetting lesen will, oder die Handlung für seine Gruppe zu einem Abenteuer ausbauen möchte kann bedenkenlos zuschlagen. Wer lieber immer ein wenig mehr wissen will, als die Helden, der sollte aber erst noch ein wenig nachdenken, bevor er den Roman in sein Regal stellt.

Abgelegt unter Leynis Leseecke | wong it!

3 Kommentare

  1. Drakensang evtl. auch für PS3 und XBOX360 » Allgemein » Blog des Schwarzen Auges

    [...] Der gute Leyni hat eine zweite Romanvorstellung geschrieben und möchte Euch also den Roman Todgeweiht ans Herz legen. Vielen Dank für diesen prima Beitrag – weiter [...]

  2. RowC

    Auch von mir ein dickes “weiter so” an Leyni. Du lieferst mit den Rezis tolle Arbeit ab. (ganz abgesehen davon, daß es mich ganz besonders freut, wenn Österreicher über DSA bloggen ^^). Hoffentlich kann der Rollenspiel-Händler meines Vertrauens bald endlich den ersten Answin-Roman bestellen.

  3. Leyni

    Du hast den noch gar nicht? Ich hab ihn in Wien gleich mal mitgenommen und bin begeistert – hab schon überlegt, ob ich ihn nicht gleich mal aufs Korn nehme, aber dazu müsste ich ihn gleich nochmal durchackern…

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