Wassertag, den 29. Efferd 1035 Bosparans Fall

Der Fluch des Sultans – Vom Dungeoncrawling und den Nachteilen

Grabräuber am Mhanadi (Quelle: Ulisses)

Dungeoncrawling und Nachteile, hä? – nein es geht hier nicht um die Defizite von Dungeonabenteuern es handelt sich eher um einen Erfahrungsbericht zum Abenteuer Der Fluch des Sultans von Dominic Hladek aus der Anthologie Grabräuber am Mhanadi. Unsere Gruppe brauchte ein wenig Abwechslung zur “Jahr des Feuers”-Kampagne und ich wollte schon seit dem Erscheinen der Spielhilfe Katakomben und Kavernen mal wieder ein Dungeonabenteuer spielen/leiten, daher habe ich mich für dieses Abenteuer entschieden.
In meiner Zeitplanung war es vorgesehen, dass die Helden dem Fluch des Sultans innerhalb von einer Session auf den Grund gehen sollten, jedoch hat das nicht so ganz geklappt hat. Aus dem OneShot wurde also ein TwoShot. Grundsätzlich lässt sich das Abenteuer natürlich schon innerhalb von einer Session bewerkstelligen, dafür bedarf es aber wenig Abschweifungen und etwas mehr Zeit als 3 Stunden. Die Vorbereitungszeit für das Abenteuer hält sich in Grenzen, es gibt wenig Protagonisten und die Handlung ist überschaubar, aber nicht weniger spannend. Ich werde an dieser Stelle nicht weiter auf die Handlung eingehen, da ich niemanden spoilern möchte. Vielmehr habe ich bei diesem Abenteuer meinen Fokus auf die Protagonisten gelegt, was meiner Meinung nach ganz gut geklappt hat. Dabei habe ich nicht groß an Spielelemente gedacht, die für jeden Helden eine Besonderheit darstellen, sondern habe mich lediglich auf die Nachteile der Helden konzentriert. So hatte jeder Held besondere Nachteile (die sich erfreulicherweise auch von den Nachteilen der Anderen unterscheiden) die die besondere Herausforderung für sie selbst darstellten.

Hier waren die Helden mit folgenden Problemen konfrontiert: Was mache ich, wenn ich Höhenangst habe und ich 20 Meter in die Tiefe klettern muss? Wie durchquere ich das dreckige Wasser, wenn ich doch unter krankhafter Reinlichkeit leide? Allein durch diese Nachteile ergeben sich wunderbare Spielsituationen, die das Abenteuer unheimlich aufwerten. “Das ist ja nichts neues”, werden jetzt einige (oder alle) sagen, aber diese Erkenntnis ist für mich Gold wert. Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn die Nachteile gut auf die Helden verteilt sind und nicht alle unter ihrer Eitelkeit leiden. Die Nachteile haben den Vorteil, dass man mit ihnen in kurzer Zeit (spontan) Konfliktsituationen und Herausforderungen für die Helden schaffen kann. Der Held steht mehr im Vordergrund der Handlung.

Feuertag, den 29. Peraine 1034 Bosparans Fall

Ein Tipp für Spielleiter: spielen!

Ich lese ja gerne Spielleiter-Tipps, da ich als Spielleiter stets daran interessiert bin, dass die Spieler genau so viel Spaß am Rollenspiel haben wie ich selbst. So kann man an vielen Stellen hilfreiche Tipps lesen um das Leiten einer Spielrunde zu verbessern, die Spannung zu erhöhen, Spieler glücklich zu machen etc.

Einer der wichtigsten Tipps, welchen ich jeden Spielleiter auf den Weg mitgeben möchte, wird meiner Meinung nach viel zu selten erwähnt: Spielleiter sollten (gelegentlich) selbst spielen!

Das soll nicht bedeuten, dass man als Meister/Spielleiter seinen eigenen Charakter mitführen soll und Dialoge mit sich selbst führt. Ich bin der Meinung, dass man ab und zu die Rollenverteilung Meister/Spieler wechseln sollte, sodaß andere Spieler ebenfalls meistern sollten. Dieser Apell richtet sich natürlich nicht an Spielgruppen bei denen der Meister eh von Abenteuer zu Abenteuer wechselt, sondern an Gruppen bei denen meist eine Person vernehmlich meistert. Der Meister mag wohl alle Kniffe und Tipps befolgen und wird sicherlich immer erfahrender je länger er meistert. Ich bin aber der Meinung, dass solche Meister im Laufe der Zeit den Blick für das Wesentliche verlieren können – Sie verlieren häufig die Sicht eines Spieler auf das Abenteuer.

Nachdem ich einige Abenteur und Kampagnen durchgehend geleitet habe, bin ich selbst unzufriedener mit dem Spielleiten geworden, da ich meine Plot-Ziele nicht mit den Helden vereinbar waren und meine Erwartung zu hoch gesteckt waren. Um dieser Ernüchterung entgegen zu wirken, habe ich kurzerhand den “Meisterschirm” an einen anderen Spieler übergeben und wollte neue Abenteuer als Spieler erleben. Des Weiteren habe ich in der letzten Zeit an div. Con-Spielrunden teilgenommen – zum Einen des Spielens wegen, zum Anderen um zu beobachten wie anderen Spielleiter in bestimmten Situationen vorgehen.

Habt Ihr dann einige Zeit als Spieler verbracht, solltet Ihr reflektieren, was die anderen Spielleiter anders machen als Ihr selbst. Was hat Euch gefallen? Was haut Euch nicht so gut? Stellt fest, an welchen Stellen im Spiel es besonders kurzweilig, spannend, lustig oder gruselig war und ob Ihr solche Szenen ebenfalls so gestaltet hättet. Das gilt natürlich auch für das Gegenteil – gibt es Passagen bei denen Ihr Euch gelangweilt habt? Gestaltet Ihr solchen Szenen evtl. Ähnlich und findet sie als Spielleiter deutlich spannender?

Meine persönliche Reflexion hat ergeben, dass ich mit unseren Kämpfen mit den DSA4 Regeln in der bisherigen Form ziemlich unzufrieden bin. Als Spielleiter habe ich fast immer mehr auf diese Kämpfe verzichtet. Als ich dann aber selbst eine Kämpferklasse für meinen Helden gewählt habe, ist mir erst wieder bewusst geworden, dass Kämpfe zur DSA-Spiel auch dazugehören. Hier werde ich also mehr darauf achten, dass die Kämpfe nun schneller, taktischer und vielseitiger von mir gestaltet werden. Ich werde mehr auf den abwechselungsreichen Einsatz von Manövern (wie Finte, gezielter Stich, Hammerschlag) setzen und auch versuchen jeden Gegner einen gewissen Stil verleihen. Damit sollen sich alle Kämpfe von den bisherigen unterscheiden.

Habt Ihr selbst Euer Spielleiten reflektiert? Was sind Eure Erfahrungen?

Weitere Artikel im Blog des Schwarzen Auges: