Hier mal wieder ein Beitrag vom Gast-Bass-Blogger aka. Antanus:

In der Reihe „Über den Würfelrand“ wollen wir ab und an mal einen Blick in die vielen anderen Rollenspielsystem werfen, die schon im Laufe der Jahrzehnte auf dem Markt erschienen sind und teils recht sang- und klanglos verschwunden sind. Hierzu gehören fantastische Systeme wie MERS oder Rolemaster, realistisches wie Harnmaster, satirische aus der Plüsch & Plunder-Power bzw. Paranoia-Fraktion, oder das unaussprechliche Cthulhu.

Cyberpunk 2020Den Anfang soll aber eine noch unerwähnte Sparte – dem futuristische Rollenspiel – gelten. Neben weitentfernten RPGs wie, Traveller, Star Wars oder Mechwarrior, gibt es natürlich noch die nahe Dark Future, hierzu gehören als bekanntestes System wohl immer noch Shadow-Run oder auch das fast zeitgleich erschiene Cyberpunk 2020.

Cyberpunk 2020, spielt gerademal zehn Jahre in der Zukunft, wobei man natürlich sagen muss, dass es beim Erscheinen vor genau 20 Jahren, etwas mehr Entwicklung vorwegnehmen konnte. Die Zukunft ist düster, nicht mehr und auch nicht weniger. Die Staaten wurden größtenteils abgelöst von den Welt-Konzernen, deren einziger Sinn und Zweck das eigene Gewinnstreben ist. Und genau in dieser Zwischenwelt der sauberen Konzerntürme und dunklen Gassen spielt sich das Leben ab.

Cyberpunk 2020Im Gegensatz zum recht fantastischen ShadowRun setzt Cyberpunk vollkommen auf Technik und verzichtet konsequent auf Zauber und Fantasygestalten, wie Trollen, Elfen oder Zwerge. Zwar liegt auch hier das Kämpfen in der Natur der Abenteuer, durch den recht hohen Realitätfaktor ist der Einsatz von Waffengewalt aber auch recht tödlich. Cyberpunk ist Rollenspiel und Style, das beweist schon das Motto: „Better dying, then fade away„, so bietet das System viele Möglichkeiten zu gnadenlosem Powergaming und erfordert deshalb sowohl erfahrene Spieler als auch Meister. Dies ist immer noch einer der größten Kritikpunkte an CP2020.

Was wäre Cyberpunk ohne Cyber, so bestimmt natürlich auch hier eine gigantische Auswahl an Körper-Upgrades das Spiel, vom stylischen subdermalen Kill-Counter bis zur Full-Body-Conversion, die nur noch Gehirn und Rückenmark überlässt. Ähnlich wie in SR, verliert auch hier der Charakter einen Teil seiner Menschlichkeit für jedes eingebaute Teil, nur wird hier der Wert zufällig bestimmt. Was jeden Einbau zu einem Balance-Akt macht, denn fällt die Menschlichkeit unter Null, übernimmt der Meister die Kontrolle des Cyberpsychos.

Wie in jedem guten Near-Futurespiel muss natürlich ein Decker oder Netrunner von der Partie sein. Auch wenn das System hier gutausgearbeitet ist, sprengt der Netrun schlicht und ergreifend die Zeit eine normalen RPG-Abends, denn in der Zwischenzeit steht der Rest der Gruppe dumm rum, weshalb viele Gruppe auf den Einsatz um Netrunnern verzichten, aber das kennen alle SR-Fans auch 🙂

Aufschwung könnte das gesamt CP-Genre durch die (vermutlich) nächstes Jahr erscheinende Verfilmung des William Gibson-Klassikers Neuromancer erhalten – auch wenn „Young Darth Vader“-Christensen wohl eine zweifelhafte Wahl ist.

Ansonsten hier noch ein paar Tipps:

Bücher:Neuromancer Cyberpunk

  • William Gibson: Neuromancer (und viele andere)
  • John Brunner: Der Schockwellenreiter
  • Alexander Besher: Satori City 2.0
  • Philip K. Dick: Blade Runner
  • George Alec Effinger: When Gravity Fails (Das Ende der Schwere) – Triologie

Filme:

  • Blade Runner (Harrison Ford)
  • Johnny Mnemonics (Keanu Reeves)
  • Aeon Flux (Charlize Theron) (grenzwertiger CP_Film 🙂 )
  • Dark City (Kiefer Sutherland)

Man könnte hier noch ne ganze Menge schreiben, alle die Liste der Cyberpunk-PC-Spiele ist recht ordentlich, wobei die meisten viel zu alt sind. Aber Deus EX lohnt sich immer mal wieder.