Ich lese ja gerne Spielleiter-Tipps, da ich als Spielleiter stets daran interessiert bin, dass die Spieler genau so viel Spaß am Rollenspiel haben wie ich selbst. So kann man an vielen Stellen hilfreiche Tipps lesen um das Leiten einer Spielrunde zu verbessern, die Spannung zu erhöhen, Spieler glücklich zu machen etc.

Einer der wichtigsten Tipps, welchen ich jeden Spielleiter auf den Weg mitgeben möchte, wird meiner Meinung nach viel zu selten erwähnt: Spielleiter sollten (gelegentlich) selbst spielen!

Das soll nicht bedeuten, dass man als Meister/Spielleiter seinen eigenen Charakter mitführen soll und Dialoge mit sich selbst führt. Ich bin der Meinung, dass man ab und zu die Rollenverteilung Meister/Spieler wechseln sollte, sodaß andere Spieler ebenfalls meistern sollten. Dieser Apell richtet sich natürlich nicht an Spielgruppen bei denen der Meister eh von Abenteuer zu Abenteuer wechselt, sondern an Gruppen bei denen meist eine Person vernehmlich meistert. Der Meister mag wohl alle Kniffe und Tipps befolgen und wird sicherlich immer erfahrender je länger er meistert. Ich bin aber der Meinung, dass solche Meister im Laufe der Zeit den Blick für das Wesentliche verlieren können – Sie verlieren häufig die Sicht eines Spieler auf das Abenteuer.

Nachdem ich einige Abenteur und Kampagnen durchgehend geleitet habe, bin ich selbst unzufriedener mit dem Spielleiten geworden, da ich meine Plot-Ziele nicht mit den Helden vereinbar waren und meine Erwartung zu hoch gesteckt waren. Um dieser Ernüchterung entgegen zu wirken, habe ich kurzerhand den „Meisterschirm“ an einen anderen Spieler übergeben und wollte neue Abenteuer als Spieler erleben. Des Weiteren habe ich in der letzten Zeit an div. Con-Spielrunden teilgenommen – zum Einen des Spielens wegen, zum Anderen um zu beobachten wie anderen Spielleiter in bestimmten Situationen vorgehen.

Habt Ihr dann einige Zeit als Spieler verbracht, solltet Ihr reflektieren, was die anderen Spielleiter anders machen als Ihr selbst. Was hat Euch gefallen? Was haut Euch nicht so gut? Stellt fest, an welchen Stellen im Spiel es besonders kurzweilig, spannend, lustig oder gruselig war und ob Ihr solche Szenen ebenfalls so gestaltet hättet. Das gilt natürlich auch für das Gegenteil – gibt es Passagen bei denen Ihr Euch gelangweilt habt? Gestaltet Ihr solchen Szenen evtl. Ähnlich und findet sie als Spielleiter deutlich spannender?

Meine persönliche Reflexion hat ergeben, dass ich mit unseren Kämpfen mit den DSA4 Regeln in der bisherigen Form ziemlich unzufrieden bin. Als Spielleiter habe ich fast immer mehr auf diese Kämpfe verzichtet. Als ich dann aber selbst eine Kämpferklasse für meinen Helden gewählt habe, ist mir erst wieder bewusst geworden, dass Kämpfe zur DSA-Spiel auch dazugehören. Hier werde ich also mehr darauf achten, dass die Kämpfe nun schneller, taktischer und vielseitiger von mir gestaltet werden. Ich werde mehr auf den abwechselungsreichen Einsatz von Manövern (wie Finte, gezielter Stich, Hammerschlag) setzen und auch versuchen jeden Gegner einen gewissen Stil verleihen. Damit sollen sich alle Kämpfe von den bisherigen unterscheiden.

Habt Ihr selbst Euer Spielleiten reflektiert? Was sind Eure Erfahrungen?